PHYTOLACCA DECANDRA (PHYT)

Quellenstudium - Linksammlung

PHYTOLACCA AMERICANA

Kermesbeere (Fam. nat. Phytolaccaceae) -  sie ist in Nordamerika heimisch. Zur Herstellung der homöopathischen Tinktur werden die Wurzel und die reife Beere gewählt.

 

Julius Mezger (1891-1976), Deutscher Arzt und seinerzeit Chefarzt am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart, erforschte Arzneimittel und dessen Arzneimittelbilder. Seine homöopathische Arzneimittellehre ("Die Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre" - wurde erfreulicherweise neu aufgelegt) erschienen erstmals 1949,  gilt auch heute noch als notwendiges Basiswissen und Nachschlagewerk. In diesem schrieb er zu PHYT ... 

"... ist in Nordamerika heimisch und wird in Südeuropa sowie Nordafrika an feuchten Plätzen vielfach angebaut. Verwendet wird die perennierende Wurzel, die eine Dicke bis zu einem Männerschenkel annehmen kann, während die Triebe von krautiger Be­schaffenheit sind. Sie gilt als giftig, da sie eine heftige Reizung aller Schleimhäute, auch einen tetanusähnlichen Zustand hervorrufen kann. Verwendet wird zur Tinktur die im Herbst gesammelte Wurzel"

 

Früher beobachtete man solche Vergiftungsfalle (Toxikologie) natürlich öfter und man notierte am häufigsten die Symptome des Erbrechens, der Diarrhoe, den Stirnkopfschmerz, die Halsentzündung und Tetanussymptome, ebenso wie diverse Hautauschläge nach Einnahme der Tinktur.


J.T. Kent  (1849-1916) schrieb, dass er das Mittel für "Schuppige Ausschläge; Pityriasis; Psoriasis“; „Ringelflechte“; „Bartpilzflechte“ und „Exanthematische Hauterkrankungen, Masern, Scharlachexanthem am ganzen Körper“  einsetzte, Dazu schrieb er weiter ... "Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Phytolacca auch Scharlach heilt, gehören doch das Scharlachexanthem, die Halsentzündung und die Drüsenaffektionen zur Pathogenese des Mittels."

 

In einem Handbuch zur Homöopathie von Adolf v. Gerhard aus dem Jahre 1908 fand ich auch einen Hinweis, das PHYT zu dieser Zeit "von amerikanischen Ärzten sehr gerühmt bei bösartigem Scharlach" war.

 

Sehr spannend, dass es schon zu dieser Zeit - neben all den anderen - als Mittel für Scharlach verwendet wurde. Die purpurenen Hautauschläge sah man nicht nur bei Scharlach, sondern auch bei Psoriasis.
 

DAS HOMÖOPATHISCHE ARZNEIBILD

Die zentrale Homöopathische Idee zu PHYT weist drei klinische Kernthemen auf ...

SYPHILITISCHE VORGESCHICHTE,  RHEUMATISCHE BESCHWEREN & DRÜSENPAHOLOGIEN

Schauen wir uns das genauer an, was das bedeutet ...
 

  • SYPHILITISCHE VORGESCHICHTE
    gibt uns im Allgemeinen einen Hinweis auf Mittel wie ...
    ARS I – AUR – AUR M – AUR M – N – KALI I – KALI S – KALI S – LAUR – MERC – MERC C – MERC I F – MERC I R – NITR AC – PHYT - SIL – STILL – SYPH


    Bei syphilitischen Geschwüren denken wir in der der DD an ...
    ARS – IOD – KALI I – MERC – MERC C – NITR AC – PHYT - THUJ

     

    Bei Prof. George Vithoulkas finden wir folgendes Zitat:

    "Kent hat PHYT wegen seiner zahlreichen mit MERC übereinstimmenden Symptome als „pflanzliches Quecksilber“ bezeichnet, und zwar aufgrund der syphilitischen Verwandtschaft, der Wirkungen auf Knochen, Drüsen und Hals. PHYT hat früher in der Behandlung von Diphtherie eine wichtige Rolle gespielt. Die meisten Symptome des Mittels beziehen sich auf die Drüsen - vor allem Brustdrüsen, Ohrspeicheldrüsen und Mandeln" ...

    Weiterführende Bücher zum Thema "Syphilitisches Miasma und Vorgeschichte" ...

    Weiterbildung Homöopathie - "Das syphilitische Miasma"
    "Langzeitbehandlung der chronisch Kranken - Syphilitisches Miasma"
    "Die Geburt eine Reise durch die Miasmen"
     
  • RHEUMATISMUS & Knochen-Muskelapparat
     

Dr. Willam Boericke (1849-1929), amerikanischer Homöopath schrieb dazu ...
"Beeinflusst stark die Faser u. Knochengewebe; Faszien u. Muskelhäute; wirkt auf Narbengewebe. Syphilitische Knochenschmerzen; chronischer Rheumatismus ... Tetanus und Opisthotonus."

Die zentrale Idee des klinischen Bildes ist in diesem Bereich "chronischer Rheumatismus". Die rheumatischen Schmerzen (brennend - stechend - schießend, den Ort wechselnd) erinnern an PULSATILLA (PULS). Besonders betroffen sind Schulter-Nacken (re. mit Unfähigkeit den Arm zu heben), Beine, Füße v.a. die FERSEN. Rheumatismus nach Tonsillenaffektionen (akutes Rheuma). PHYT steht  in seinen rheumatschen Beschwerden  zwischen BRYONIA (BRY) & RHUS TOXICODENDRON (RHUS T) . Gerne finden sich die Symptomkombinationen "Drüsenerkrankungen mit Nackensteifigkeit, ausstrahlend ins Schulterblatt links vergleichbar mit v.a. CALCIUM PHOSPHORICUM (CALC P) oder DULCAMARA (DULC) und/oder RANUCULUS BULBOSUS (RAN B)"  oder "Pathologien der Mammae & Nacken-Schulterschmerz rechts"   oder "Drüsenprobleme & Fersenschmerzen" usw.
 

  • DRÜSENMITTEL

    Der typische homöopathische Einsatzbereich im Rahmen von Drüsen & Drüsenschwellungen ist meist im klinischen Bild mit Hitze und Entzündung verbunden. Grundsätzlich sind die PHYT Zustände schmerzhaft, neigen zur lymphatischen Stauung und Verhärtung. Bezogen auf die Haut & Schleimhaut findet sich Kongestion in Kombination mit dunkler bläulich roter Färbung, welche auch an BELLADONNA (BELL) oder LACHESIS (LACH) denken lassen.Das findet sich vor allem bei ...
     
  • Angina, Tonsilitis, Follikuläre Pharyngitis (kann nicht heißes Schlucken wie PulsATILLA (PULS), KaliUM CARBONICUM (KALI C), BARIUM CARBONICUM (BAR C), LAC CANIUM (LAC C) LACHESIS (LACH), Rhus-tOXICODENRON (RHUS T), MercURIUS-i-f (MER-I-F),  Parotitis mit Klosgefühl im Hals in der Differentialdiagnose (DD) zu BELLADONNA (BELL) oder LACHESIS (LACH) und/oder die auf dieser Seite beschriebenen Beschwerden im Rahmen einer Grippe.
     
  • Diphterie
     
  • Schwellung der Axilardrüsen
     
  • Adenome, Karzinome
    Prof. M.S. JUS schreibt dazu: "Brustkarzinom (Ars, Bufo, Carb-an, Con, Graph, Merc, Nit-ac, Phos, Sep, Sil, Sulph, Thuj) ist hart, lila-blaue Farbe, blitzartige Schmerzen, die von der Brust strahlenförmig zum ganzen Körper ausstrahlen"
     
  • Abszesse der Mammae
     
  • Fisteln der Brust (beschleunigt die Eiterung in der DD zu HEPAR SULF (HEP S)- SILICEA (SIL) - MERCURIUS (MERC) oder LACHESIS (LACH)
     
  • Risse, Fissuren der Brustwarzen in der DD zu GRAPHITES (GRAPH)  - CHAMOMILLAE (CHAM)- CASTOR EQ (CAST EQ) – CAUSTICUM (CAUST) - HYDRASTIS (HYDR) – MercURIUS (MERC) - SEPIA (SEP)  - SILICEA (SIL) - SulphUR (SULF) - PETROLEUM (PETR)
     
  • Schmerzen der Brustdüsen bei Mammalgie, Mammitis, Mastiis -  auch im Prämenstruellen Syndrom (PMS) erinnert an Calcium carbonium (CALC)  oder Conium maculatum (CON). 
     

Prof. George Vithoulkas sagt in diesem Kontext über PHYT: "Mastitis hat große Schmerzen beim Stillen, schlimmer in der linken Brust, der Schmerz strahlt in den ganzen Körper aus. Brustabszess – Aufgesprungene Brustwarzen – schmerzhafte Tumoren in der Brust, wirkt sogar bei malignen Geschwülsten palliativ"

PATHOLOGIEN DER BRUST
Einige Differentialdiagnosen (DD) zu PHYT sind ...

Brust Abszess Mammae PHYT DD -  HEP – MERC – PHOS – SIL – SULF

Brust Entzündung Mammae PHYT DD – BELL – BRY – HEP – SIL – SULF

Brust – Exkoriation – Brustwarzen  PHYT DD – CAUST – FL AC

Brust – Geschwüre Mammae PHYT DD SIL

Brust – Knoten – empfindliche – Mammae – in den PHYT DD  - CARB AN – CON – SIL
Brust Härte und "steinhart"  PHYT DD BRY - Carb-an (STEINHART) Con - Lac-c - Phel

Stillen AGG  PHYT DD – BRY – CALC – PULS – SEP – SIL
Eingezogene Brustwarzen PHYT DD - SANIC - SIL
 

 

  • KEYNOTE

Die Schmerzen strahlen von einem Punkt (Drüsen, Knochen, Gewebe etc.)
strahlenförmig über den ganzen Körper aus. 

Die wohl typischsten Lokalisationen sind ...


"von der Zungenwurzel in das Ohr"
"von der Brust in die Tonsillen oder ins Ohr mit Hitzegefühl"
"von der Brust in den Rücken - Schulter, oder Ohr"
"Brustkrebs mit Ausstrahlungsschmerz in die Schulter" in Kombination mit  z.B. "Schwellung der Oberlippe"
"Hodenentzündung nach Tonsilitis und/oder Parotitis"  ...   usw.


J.T. Kent schreibt dazu, ich zitiere:

"Nahezu jegliche Aufregung scheint sich an den Brustdrüsen zu manifestieren. Furcht oder auch der Schreck eines Unfalls führen dazu, dass sich Knoten in der Brust bilden, mit Schmerzen, Hitze und Schwellung, bis hin zu heftigen eiternden Entzündungen. Kein anderes Mittel konzentriert sich in seiner Wirkung so auf die Brustdrüsen wie Phytolacca. Bei Mercurius ist es ähnlich; wenn die Patientin sich erkältet, werden die Brustdrüsen wund. Aber wenn eine Frau in der Stillzeit durch jeglichen Kummer eine Brustentzündung bekommt, geben Sie ihr Phytolacca. Auch wenn eine Mutter sagt, dass sie keine Milch hat oder dass die Milch spärlich, dick und schlecht ist und schnell gerinnt, ist Phytolacca als konstitutionelles Mittel angezeigt, sofern keine anderen Symptome seine Einnahme kontraindizieren. Phytolacca hat eine blutig-wässrige Absonderung aus der Brust geheilt, die fünf Jahre nach der Entwöhnung des Säuglings noch angedauert hatte. Die Brust der Patientin ist zuweilen so schmerzhaft und wund, dass sie beim Stillen des Kindes beinahe Krämpfe bekommt und sich der Schmerz den Rücken hinab in die Glieder und im ganzen Körper ausbreitet."

 

  • ALLGEMEINER HINWEIS

Basierend auf der Arbeit von J.H.Clarke, findet sich im "neuen Clarke"  (heute auch als e-book erhältlich) ein guter Hinweis, ich zitiere ...

"Wilde Tauben und andere Vögel, die die Beeren fressen, bekommen eine sehr rote Farbe und verlieren ihr Fett. Diese letzte Beobachtung führte zum Einsatz einer Tinktur von Kermesbeeren als ein Antifettmittel und es wurden viele Erfolge berichtet. Diese Beobachtung kann man als Schlüssel zu einer der großen Wirkungsbereiche dieses Mittels betrachten: die Absorption von Geweben, besonders frischen Wucherungen. Es gibt wenig Mittel die eine breiteren Wirkungsbereich bei der Heilung von Tumoren und Verhärtungen haben, besonders an den Mamma. Hale erzählt uns, daß die Wurzel von Milchmännern in Amerika dazu benutzt wird, alle Abnormalitäten in der Kuhmilch zu regulieren: spärliche; dicke; wäßrige; geronnene; Blut oder Eiter enthaltende Milch. Aber seinen besten Ruf hat es bei Konglomerattumoren des Euters. Bei Verhärtung und Abszessen der Mammae stillender Frauen und selbst bei Krebs (innerlich und manchmal auch äußerlich) konnte seine Wirkung gut bestätigt werden. Aber man darf nicht annehmen, diese Wirkung sei rein physiologisch, wie es bei der Absorption von Fett bei Vögeln ist."


Konstitutionell werden Menschen die PHYT benötigen eher als korpulent beschrieben und/oder wenn sie Tumore der Drüsen haben "verlieren sie ihr Fettgewebe". Davon abgesehen ist der Text wirklich intereressant, bedenkt man wann J.H.Clarke gelebt hat. Homöopathen wissen so unendlich viel bereits durch Vorgänger wie ihn. Das emprisch zusammen getragene Wissen um die Zusammenhänge, welche man heute wissenschaftlich nachweisen kann und als "neue Erkenntnis" aufzeigt, wie in diesem Fall das "Fettleibigkeit dem Krebswachstum förderlich ist".

Adipositas steigert das Risiko für 13 Krebsarten - so der Krebsinformationsdienst

Adipositas. Hohe Relevanz für Krebs - so das Ärzteblatt

Adipositas und Krebs - Meta-Review - Medscape


Und wir wissen als Homöopathen empirisch auch das "PHYT durch Milch antidotiert wird" und/oder "das Menschen die PHYT  benötigen, Drüsenprobleme und/oder hormonabhängige Krebsarten haben, keine Milchprodukte konsumieren sollten". Milch ist nicht so gesund, wie man allgemein denkt es spielt eine Rolle bei Diabetes, Übergewicht der Aktivierung des Enzyms mTOR und dem Wachstumshormons IGF1 ...


Milchstudien - zusammengestellt von Dr. Petra Bracht
Harvard University - Hormones in milk can be dangerous
Milch und Krebserkrankung - biokrebs

 

Alles in allem gibt es schon gute Hinweise, in welchem Kontext PHYT seinen Einsatz finden könnte.

EMPFEHLENSWERTE LINKS ZU PHYT